Eine Arche für Wollschweine und Fleischschafe
Ein Arche-Hof für vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen soll auf dem Gestüt Schwedenlinde entstehen

Brandenburg.
Als "Heidschnucke der Masuren" wurde die ostpreußische Skudde einst bezeichnet. Die Vorzüge waren Genügsamkeit auf kargen Weiden, Widerstandsfestigkeit gegenüber extremer Witterung und vor allem gegenüber Krankheiten. Das perfekte Schaf, wenn's denn auch genügend Wolle gehabt hätte.Gehalten wurde die Skudde vor allem wegen ihres mageren, wohlschmeckenden Fleisches - auch in den
So gesehen sind die Schafe hier lebendige Museumsstücke. Denn einen Arche-Hof müsse  man sich in etwa wie eine genetische Ressource, eine Arche halt, vorstellen, erklären die Beiden. Für ihre jeweilige nutztierische Bestimmung hochgezüchtete Tierarten (u.a. Legehenne, Milchkuh, Wollschaf oder Mastschwein) sind quasi Synthese-Rassen. Ursprünglichkeit sucht man bei ihnen vergebens. hohem Fettansatz"  (so ihre Charakteristika laut GEH) gelten als anspruchslos und kälteresistent. "Hannelore" und "Borstel" haben schon einige Nachkommen hervorgebracht. Einerseits gingen Ferkel in die Zucht, andererseits wuchsen die kleinen Wollschweine im heimische Stall auf. "Wegen ihrer hervorragenden Speckdicke waren Wollschweine Mitte des 19. Jahrhunderts in ganz Europa verbreitet", bei Dresden noch hervorragende Hengste. Nicht mehr ganz Hengst (weil kastriert) ist "Lauro", der auf dem Brandenburger Arche-Hof der Dritte im Bunde der alten Rassen ist.
Drei Zuchtgruppen sind aber für die Anerkennung als Arche -Hof notwendig. Deshalb will man noch Rinder oder weitere Pferde zukaufen. Die Rassen müssen auf der Roten Liste der GEH aufgeführt sein, die etwa 90 Nutztierrassen umfasst. Da ein
 westlichen Regionen Deutschlands. Doch im Laufe der Jahrhunderte sollten Schafe Wolle geben, Kühe Milch, und Schweine aß man. So ist das im Grunde heute noch...
Nur etwa 1000 Skudden grasen noch auf bundesrepublikanischen Weiden.. Gemessen an den Hunderttausenden Wollschafen ist diese Zahl verschwindend gering. Sie würde wohl noch weiter zurückgehen, wenn es nicht schon seit 1995 das sogenannte "Arche-Hof-Projekt" der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Rassen (GEH) gäbe. Über 70 solcher Arche-Höfe gibt es in Deutschland - ein weiterer soll nun auf dem Brandenburger Gestüt Schwedenlinde an der Brielower Landstraße entstehen. Die Betreiber des Gestüts, Sven Elsner und Andreas König, halten hier mittlerweile zehn Skudden.

 Natürliche Anpassungs- fähigkeiten sind spärlich. Da wundert's kaum, dass insbesondere in der Massentierhaltung dieTiere isoliert von der Außenwelt leben müssen. Eine Vire kann  da schon eine Katastrophe auslösen...
Bei Interesse können die Arche-Höfe vor einer Katastrophe für frisches Blut sorgen. Bei der Schweinezucht kommen dann auch "Mangalitzas" (Ungarische Wollschweine) wie "Hannelore" und "Borstel" zum Einsatz. Sie leben auch bereits an der Brielower Landstraße. Die beiden "anspruchslosen Speckschweine mit
so Sven Elsner.
Heute gibt es nur noch wenige Exemplare. Ihre Gefährdung durch Aussterben wird von der GEH als "alarmierend" bezeichnet.
Noch nicht ganz so arg in Bedrängnis geraten sind Altoldenburger Warmblüter. Während es im Westen Deutschlands nur noch vereinzelt solche Pferde (aus Anpaarung von Friesischen Stuten mit andalusischen und orientalischen Hengsten entstanden) gibt, finden sie in den traditionellen Nachzuchtgebieten in Polen und der ehemaligen DDR weitere Verbreitung. So stehen etwa in Moritzburg
Arche-Hof allein sich in der Regel drei bis vier Rassen zulegt, ist man seitens der GEH bestrebt, die Zahl der Höfe stetig zu erhöhen. Dabei sollen sie ihren eigenen Charakter behalten. Die beiden Brandenburger erklären, sobald die dritte Zuchtgruppe aufgebaut wäre, müsste man so ein Jahr lang arbeiten. Dann kämen GEH-Gutachter...
Die Tiere sollen aber nicht nur zu Schauzwecken dienen, obwohl es eine weitere Zielsetzung ist, interessierte Menschen auf die Höfe einzuladen. Das eigentliche Ziel ist: Die Integration der artgerechten Haltung der vom aussterben bedrohten Nutztierrassen in den landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb der jeweiligen Höfe.

Dort bleiben sie dann, was sie waren - nämlich Nutztiere. Das Pferd zieht den Karren, Schaf und Schwein werden irgendwann geschlachtet.

R.Wernitz